Die bayerischen Bernbeck
Forschungsstand, Vermutungen und offene Verbindungen
Grün = belegt · Gold = plausible Arbeitsthese · Rot = ungeklärt oder ohne direkte Verbindung.
1. Ausgangspunkt: Pernpach und Birnbach
Jankers Ortsgeschichte führt die Spur bis zu einem Beleg des Jahres 1125 zurück. In einer Tradition des Klosters Au am Inn erscheint Sigboto de Pernpach ausdrücklich als liber vir, also als freier Mann. Damit beginnt unsere Spur nicht erst beim fertigen Familiennamen Pernbeck, sondern bei Pernpach/Birnbach als möglichem Herkunftsort.
Janker-Passage, Urkundentext und Einordnung ansehen ↓
Christine Reinle schreibt anschließend ausdrücklich, dass sich die Pernbeck nach Birnbach nannten und als „Diener“ der Frauenberger erscheinen. Ein Ortsname Birnbach als Ursprung des Familiennamens ist damit sehr gut begründet.
Reinle-Passage ansehen ↓
Pernpach ist als mittelalterliche Orts- beziehungsweise Herkunftsbezeichnung bereits 1125 sicher belegt. Ob zwischen den im 12. Jahrhundert nach Pernpach benannten Personen und der ab 1407 fassbaren Familie Pernbeck eine genealogische Verbindung besteht, ist dagegen noch offen.
Welches konkrete Birnbach gemeint ist, bleibt ungeklärt. Birnbach bei Erlbach ist geografisch besonders interessant; Bad Birnbach bleibt ein ernsthafter Gegenkandidat.
Birnbach-Kandidaten
2. Frühe Pernbeck und Frauenberger – chronologisch
Die Pernbeck standen im Dienst der Frauenberger und erscheinen im 15. Jahrhundert in gehobenen Verwaltungs- und Gerichtsämtern. „Diener“ bedeutete hier nicht Hausknecht, sondern Herrschaftsdienst, Verwaltung und Rechtspflege.
Urkundentext und Einordnung ansehen ↓
Reinle-Passage ansehen ↓
Janker-Passage ansehen ↓
Reinle-Passage ansehen ↓
Freyberg/Hundt ansehen ↓
Reinle-Passage ansehen ↓
Freyberg/Hundt ansehen ↓
Archivische Belege ansehen ↓
Urkundenpassage ansehen ↓
Archivische Belege ansehen ↓
Reinle-Passage ansehen ↓
Heinzelmann-Passage ansehen ↓
3. Orte und Bewegungsrichtung
Das bisherige Arbeitsmodell führt vom Inn- und Frauenberger Raum über Hohenburg, Marktl, Hampersberg und Dingolfing weiter nach Isen, Passau, Freising, Ingolstadt und Neuhaus. Es entsteht ein auffälliges Muster nach Norden und Osten.
4. Das Wappen
Ein Siegel von 1476 zeigt bei Christoph Pernpeck einen halben beziehungsweise oberhalben Bären im Schild und einen Bären in der Helmzier.
Ob das später bekannte Bernbeck-Wappen mit drei Bären unmittelbar aus Christophs Bärenwappen hervorging, ist noch nicht bewiesen.
5. Die Lücke von 1588 bis Michael um 1642
Michael Bernböck könnte aus dem Pernpeckh-Umfeld von Unterkienberg oder Dörnbach stammen. Die 54 Jahre zwischen 1588 und 1642 lassen ungefähr zwei Generationen zu.
Es fehlt eine Taufe, Heirat, Übergabe-, Steuer- oder Gerichtsakte, die Michael ausdrücklich als Sohn oder Enkel eines Pernpeckh von 1588 bezeichnet.
6. Buch- und Urkundenpassagen zu den Jahresangaben
Stephan M. Janker: Grafschaft Haag (1996)
↑ Zurück zum AusgangspunktFundstelle: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern I, Heft 59. Für unsere Untersuchung ist zuerst Jankers Ortsgeschichte zu Pernpach beziehungsweise Birnbach wichtig. Der genaue Janker-Wortlaut und seine Seitenzahl müssen noch am Buchexemplar gegengeprüft werden; der von ihm behandelte ältere Quellenbeleg lässt sich jedoch in der Edition des Traditionsbuchs von Au am Inn unmittelbar nachlesen.
In der Tradition Nr. 138 heißt es: „… in manus cuiusdam liberi viri Sigbotonis nomine de Pernpach …“. Sinngemäß: Der Adelige Egelolf von Porrenchouen übergab die Frau Willebirch dem freien Mann Sigboto von Pernpach mit der Auflage, sie und ihre Kinder freizulassen. Der Eintrag ist in der Edition ausdrücklich auf 1125 datiert.
Der Beleg beweist, dass 1125 bereits eine Person mit der Herkunftsbezeichnung de Pernpach auftrat und einen gehobenen freien Rechtsstatus besaß. Er beweist noch nicht, dass Sigboto ein Vorfahr der ab 1407 belegten Pernbeck war. Janker gehört dennoch an den Anfang unserer Rekonstruktion; Reinle bestätigt anschließend ausdrücklich, dass sich die späteren Pernbeck nach Birnbach nannten.
Jankers Darstellung verankert die Pernbeck unmittelbar in der Grafschaft Haag und bei Hampersberg. Die auf Janker beruhende Besitzdarstellung lautet sinngemäß: Die wohl von den Grafen von Haag errichtete Burg Hampersberg kam 1412 an die Ritter von Pernbeck. Damit setzt der Besitzansatz früher ein als unsere bisherige Angabe „Mitte des 15. Jahrhunderts“.
Hampersberg war demnach nicht erst ein späterer Wohnort Christophs, sondern möglicherweise schon seit 1412 der adelige Sitz des Pernbeck-Zweiges. Das stärkt den Zusammenhang Pernbeck – Frauenberger von Haag – Hampersberg erheblich.
Christine Reinle: Wappengenossen und Landleute (2001)
↑ Zurück zur ChronologieFundstelle: besonders S. 144; Janker wird dort unter anderem mit S. 178 herangezogen.
„Die Pernbeck, die sich nach Birnbach nannten, waren ‚Diener‘ der Frauenberger …“
Reinle nennt die Familie erstmals 1407, erwähnt ein Siegel von 1420 sowie Christoph Pernbeck als Pfleger von Hohenburg 1427 und 1435 und als Landrichter von Dingolfing 1438. Vor 1450 saß die Familie in Hampersberg; 1451 wurden die Hofmarkrechte königlich bestätigt. Diese Passage ist unsere stärkste Grundlage für Herkunft, Dienstverhältnis und sozialen Aufstieg.
Josef Heinzelmann: Die Bernbeck aus Windsheim nach der „Genealogia familiae Wenshemianae Bernpeckiorum“ (1987)
↑ Zurück zur ChronologieFundstelle: GENEALOGIE 18, Jahrgang 35/36 (1986/87), S. 401–418; besonders S. 402. Handschriftliche Grundlage: Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30049.
Heinzelmann beschreibt für die Windsheimer Familie die Namensfolge Beck/Peck → Bernpeck → Bernbeck und nennt als Wappen drei Bärenköpfe. Die Genealogie beginnt mit Heinrich Beck beziehungsweise Heinrich Peck und Hans Peck; bei den Kindern des Hans erscheint erstmals Bernbeck, darunter Georg Bernpeck/Bernbeck, geboren etwa 1430.
Heinzelmann führt außerdem Valentin Pernbeck aus Burghausen an, der 1476 als Dekan des Passauer Domkapitels belegt ist und am 20. April 1485 starb. Damit kannte er neben der Windsheimer Familie ausdrücklich einen zeitgleichen bayerischen Pernbeck.
Der Artikel beweist keine Verwandtschaft zwischen den Windsheimer Bernbeck und den bayerischen Pernbeck. Die ähnliche Namensentwicklung und das Bärenmotiv sind auffällig, bleiben aber Vergleichsindizien.
Freyberg/Hundt: Sammlung historischer Schriften und Urkunden, Band 3 (1830)
↑ Zurück zur ChronologieAbschnitt: „Pernspeck. Alias Pernpeck“. Die ältere Darstellung berichtet, die Pernspeck hätten den Frauenbergern von Haag gedient und seien durch diesen Dienst aufgestiegen. Sie nennt Gars als Begräbnis- und Stiftungsort, Wilhelm Pernspeck bei Bündnissen 1425 und 1430, Christoph als Pfleger von Hohenburg und Landrichter von Dingolfing sowie Georg Pernpeck in späteren Ämtern.
Der Text ist wertvoll, aber deutlich später als die beschriebenen Ereignisse. Seine Angaben müssen mit Originalurkunden abgeglichen werden; insbesondere fehlerhafte Jahreszahlen im OCR-Text dürfen nicht ungeprüft übernommen werden.
Staatliche Archive Bayerns: Urkunden 1436, 1438 und 1440
↑ Zurück zur ChronologieCristoff Pernbeck, Landrichter von Dingolfing, quittiert Bischof Friedrich II. von Regensburg den Empfang von 100 Pfund Regensburger Pfennigen für Jörg Frauenberger vom Haag zu Hohenburg. Das Original war mit zwei Siegeln beglaubigt.
Die Urkunde verbindet Christoph in einem einzigen zeitgenössischen Beleg mit Dingolfing, dem Regensburger Bischof, Jörg Frauenberger vom Haag und Hohenburg am Inn – beinahe unser gesamtes frühes Orts- und Dienstnetz in einem Dokument.
Ergänzend gehören hierher der Nachweis Jost Pernpeks vom 30. Dezember 1436 in Hohenburg am Inn sowie die Urkunde vom 13. Januar 1440, in der Jobst, Christoph und Hans als verschiedene Pernbeck erscheinen.
7. Nächste Suchschritte
- Birnbach bei Erlbach und Bad Birnbach in Urbaren, Salbüchern und Frauenberger Akten vergleichen.
- Jost/Jobst, Christoph, Hans und Wilhelm über gemeinsame Zeugen, Besitz und Siegel als Familiennetz auswerten.
- Für 1500–1600 in Steuerbüchern, Musterungslisten, Gerichtsprotokollen und Hofübergaben suchen.
- Die vollständigen Hofakten zu Unterkienberg und Dörnbach verfolgen.
- Für Michael um 1642 Vorbesitzer, Bürgen, Zeugen und Herkunftsvermerke von Hohenbuch Nr. 2 prüfen.
- Das früher noch in Güntersdorf vorhandene Pfarrmatrikel und den Bernbeck-Eintrag um 1652 erneut lokalisieren.
8. Quellen
- Stephan M. Janker: Grafschaft Haag, Historischer Atlas von Bayern, Altbayern I/59, München 1996, 433 Seiten.
- Drei bayerische Traditionsbücher aus dem XII. Jahrhundert, Tradition des Klosters Au am Inn Nr. 138: Sigboto de Pernpach, datiert 1125.
- Christine Reinle: Wappengenossen und Landleute, besonders die Pernbeck-Passage auf S. 144.
- Sammlung historischer Schriften und Urkunden, Abschnitt Pernspeck/Pernpeck; OCR-Lesarten am Scan prüfen.
- Josef Heinzelmann: Die Bernbeck aus Windsheim, GENEALOGIE 18 (1987), S. 401–418.
- Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns: Urkundennachweis.
- Genealogie Kiening als Hof- und Namenswegweiser; Primärbelege jeweils nachprüfen.
9. Eigene Funde und Bilder
Hier können eigene Forschungsnotizen, Aufnahmen von Grabsteinen, Kirchenbucheinträgen und Archivalien ergänzt werden.